Kurze Gedanken über die heutigen Schlagzeilen vom 4. April 2013

Ich lese gerne die Internetausgaben der großen Tageszeitungen. Nicht nur die Tageszeitungen aus Deutschland, sondern rund um die Welt sind sie online verfügbar.

Die heutigen Schlagzeilen stellen wiedermal ein Sammelsurium des weltweiten Chaos dar. Ich brauche gar nicht die gesamten Texte lesen (geht ja auch auf weltonline nicht mehr, denn wenn man kein Abo hat, kann man nur noch 20 Artikel im Monat ohne Bezahlung frei lesen. Ist ja das gute Recht einer Zeitung, Geld zu verdienen. Trotzdem Schade.)

Heute: Die Welt

Natürlich ist die heutige Hauptschlagzeile die Gefahr eines drohenden Krieges auf der koreanischen Halbinsel.

Ein Blick auf die Weltkarte genügt, um zu wissen, dass es sich um einen überregionalen Konflikt handeln könnte. An Nordkorea grenzen neben Südkorea die beiden Supermächte China und Russland. Japan ist auch nicht so weit enfernt.

Der Koreakrieg der vom Juni 1950 bis Juli 1953 tobte, ist weitgehend vergessen, zumindest in Europa. In Korea sicher nicht.

Geschätzt wird, dass dem Koreakrieg ca. drei Millionen – 3.000.000 – Zivilisten zum Opfer fielen.

© Time Inc.

A girl standing in rubble from the Korean Civil war, carrying a baby in a sling on her back. Die Leidtragenden des Koreakrieges. Im wahrsten Sinnen des Wortes. © Time Inc.

Ca. eine Million Soldaten (koreanische, chinesische und amerikanische Soldaten liesen „auf dem Feld der Ehre“ ihr Leben.

Ein Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea wurde nicht geschlossen.

Am 30. März 2013 erklärte Nordkorea, mit Südkorea im Kriegszustand zu sein.

Am 03. April 2013 wurde von der Militärführung in Pjöngjang ein Angriff mit Atomwaffen auf die USA offiziell genehmigt.

Mal sehen, was unsere Experten von der Konflikt- und Friedensforschung dazu meinen. Ich muss nicht habilitert haben, um zu erkennen, dass es auf dieser Welt einfach Geisteskranke gibt, die einfach keine Ruhe geben.

Der nächste Artikel befaßt sich mit Steueroasen. Offshore-Leaks.

Geheime Geschäfte. Klar sind diese Geschäfte geheim. Reiche bringen natürlich ihr Geld in Sicherheit. Nun gibt es halt einige Fakten dazu. Darunter sollen auch einige hundert Deutsche sein.

Wundert uns das. Habe wir es vorher nicht geahnt? Mit Fakten und Zahlen haben wir es nicht belegen können. Geahnt schon. Zig Zweitwohnsitze rund um die Welt. Nein, wer hätte das gedacht, dass es sich hierbei um zweifelhafte Geschäfte handelt. Wie Schuppen fällt es uns nun von den Augen.

Aber was solls. Mit guten Anwälten bekommen die Damen und Herren der „besseren“ Gesellschäft ja dann mit der Staatsanwaltschaft einvernehmliche Vorschläge unterbreitet, damit sie schlimmsten Falls einige tausend Euro zahlen und ein öffentliches „mea culpa“ abgeben.

Aber wehe ein alte Rentnerin klaut eine Tafel Schokolade im Supermarkt. Die trifft der „starke Arm“ des Gesetzes mit voller Wucht.

Gestörte Orgie. Lithographie von J. A. Koch und B. Genelli.

Das ganze erinnert irgendwie an das in Agonie liegende römische Imperium in seiner Endphase.

Und hier liegt nur einmal wieder eine Spitze des Eisberges vor. Die Gier mancher Menschen ist einfach grenzenlos.

Eine weitere Schlagzeile wiederum über Zypern. Dort sollen Beweise vernichtet worden sein

Wundert das irgendjemanden noch. Schwarzgeld? Jahrelang geahnt, wenn nicht sogar bekannt. Erst wenn es den Bach runtergeht, kommen diese „Beweise“ auf den Tisch.

Frau Merkel macht Urlaub

Soll sie doch machen. Aber uninteressantere Fotos habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Hört auf, uns mit dieser Dame zu langweilen. Tausende Blogger machen interessantere Reisen und bessere Fotos.

Und in Japan wird noch weiter Geld gedruckt.

Die Notenpressen dieser Welt bleiben nicht stehen. Egal ob in Nordamerika, Europa oder Asien.
Ich hätte gerne auch eine Notenpresse bei mir zu Hause. Da müßte ich mir keine Sorgen mehr machen. Aber das darf man ja nicht. Da macht man sich ja strafbar. So kann man halt auf oberster Ebene seine Schulden begleichen.
Für Otto Normalverbraucher illegal und strafbar.

Depardieus Wohnung in einem Wolkenkratzer in Grosny in Flamme aufgegangen

Depardieu ist ja jetzt ein großer Freund von Putin. Steuern in Frankreich zahlen ist ja jetzt megaout. Lieber nach Russland und weniger Steuern zahlen.
Ein Apartment in Grosny. Aha. IN GROSNY????? Was will man mit einer Wohnung in Grosny. Grosny, da war doch irgendwas. Ach ja, die Unruheregion Tschetschenien.
Herr Depardieu mag ein großer Schauspieler gewesen sein, aber hier scheiden sich wohl die Geister.
Mein Anlagetipp für Herrn Depardieu, wenn er nicht weiss wohin mit seinen Millionen: Kabul, Pjöngjang und Damaskus sind auch tolle Orte, wo demnächst Luxuswolkenkratzer entstehen.

Mein Ratschlag an Herrn Depardieu. Lieber weiter durch die Welgeschichte fliegen und in die Flugzeugkabine urinieren.

Mittwochslotto. Ziehung ungültig

Tja jetzt heißt es wohl 6 aus 47. Nicht mal das bekommt das ZDF hin. Was solls.

40 Milliarden Dollar Prozess um Michael Jacksón

Die Familie von Jackson will 40 Milliarden Dollar vom Konzertveranstalter AEG. Nein nicht der deutsche Elektrokonzern (aufgelöst 1996) sondern der Konzertveranstalter aus Los Angeles.

Da sieht man mal, was Singen so einbringt. 40 Milliarden. Haben Haben Haben. GELD. Mehr. Bin ich froh, dass mir die Musik vom Michael nie gefallen hat. Nein, nicht der Erzengel Michael, sondern Herr Michael Jackson, seines Zeichen Barde und Tänzer. Beides mehr schlecht als recht.

Als könnte die Familie nicht von den Tandiemen die nächsten 71 Jahre gut leben. Danke ans Urheberrechtsgesetz. Man sollte es auf 200 Jahre ausweiten, damit auch noch die Ur-Ur-Ur-Urenkel davon gut leben können.

Was würden sie mit 40 Milliarden Dollar machen? Die Welt retten? Dann sind sie, mit verlaub, ein Idiot, äh Entschludigung, ein Gutmensch.

Dem Irrsinn sind keine Grenzen mehr gesetzt.

Es gibt keine Grenzen mehr, Staatsgrenzen ja, aber keine moralischen mehr. Man könnte auch die Gehälter von irgendwelchen Fussballstars hernehmen. Und die menschliche Herde genannt Fans rennt den Sängern und Fussballern in Scharen hinterher. Wie die Lemminge.

Exkurs: Wußten sie, dass es Echte Lemminge, Moorlemminge, Waldlemminge, Halsbandlemminge, Steppenlemminge und Mull-Lemminge gibt. Ich nicht. Na, da haben sie und ich wenigstens durch diesen Artikel noch etwas dazu gelernt. Zwar nicht über die Gier mancher Menschen, aber über Lemminge. Ich habe auch noch den Berglemming vergessen. Wie konnte ich nur.

Wurde beinahe übersehen. Der Berglemming.

Wurde beinahe übersehen. Der Berglemming.

Ziemlich putzig dieser Berglemming und lenkt auch erfolgreich von der 40 Milliarden Klage ab.

Mein Ratschlag: Sucht euch endlich Vorbilder. Menschen die die Welt zum postiven verändern und zwar durch ihr Verhalten, ihre Taten oder ihr Wissen. Und nicht erwachsene Männer, die einer aufgeblasenen Schweinsblase hinterrennen und versuchen diesen „Ball“ in ein rechteckiges Etwas zu treten. Oder Männer, die stundenlang im Kreis fahren, riesigen Lärm und Luftverschmutzung verursachen und nichts zum Wohle dieses Planeten beitragen. Was wäre das für ein Tag, an dem der Literaturnobelpreisträger genau soviele fanatische Fans hätte, wie ein Fußballstar. Oder der Nobelpreisträger für Medizin. Was wäre das für ein Tag.

Obama regt sich über die Epidemie der Waffengewalt auf.

Nun gibt es im Bundesstaat Connecticut das schärfste Waffengesetz für Sturmgewehre. Hmm richtig so. Sturmgewehre gehören einfach nicht in Kinderhände. Schon seltsam, oder?

Aber weiter brav Waffen in alle Teile der Welt exportieren. Man muss aber auch sich leider eingestehen, dass es auf dieser Welt immer wieder Menschen gibt, bei denen freundliches Reden nichts hilft und die nicht mit Wattebäuschen in Schach gehalten werden können. Irgendwie einscheint einem die Welt als großes Irrenhaus und in manchen Ländern sitzen Wahnsinnige an den Schalthebeln.

Der franzöische Premierminister meldet sich im Fernsehen zu Wort

Mein erster Gedanken. Ist schon Zeit für die Neujahrsansprache. Habe ich einige Monate verschlafen. Nein. Das übliche Geplänkel von Politikern.

Die Tschechen sind sauer auf die EU-Fahne

Da hängt nun unverfroren die EU-Fahne neben der tschechischen Fahne auf der Prager Burg. Nun fühlen sich gleich die Tschechen an die Nazis erinnert und befürchten schlimmstes. Recht haben sie. Die böse EU. Natürlich dürfen wieder die Nazis herhalten. Was wäre, wenn Deutschland einfach aus der EU austritt und nichts mehr mit der EU zu tun hat. Keine „teutschen“ Steuergelder, keine „teutschen“ Auflagen an die bankrotten Staaten. Also nichts mehr an der EU „teutsch“. Wer muss dann für die EU herhalten, wenn diese Vergleiche nicht mehr wirksam sind. Wo wäre dann die griechische, zyprische, spanische, portugiesische, italienische Polemik. Die Polemik dieser Staaten würde ebenso bankrott gehen wie das Finanzsystem derselbigen.

Sport lassen wir außen vor. Wie bei jeder Tageszeitung bei mir, fliegt der Sportteil als erstes in den Papierkorb, wo er zurecht hingehört.

British Airways bestellt 18 Dreamliner

Und ich dachte der 1. April wäre vorbei. Der Dreamliner Boeing 787 hat eigentlich Startverbot wegen seiner defekten Batterien. Würden sie eine Auto kaufen, dass nicht auf der Straße fahren darf? Klar, wenn ich ein Scheich wäre schon. Dann würde ich mir auch gleich ein riesiges Anwesen kaufen und mit den nicht zugelassen Fahrezugen darauf hin und her fahren.

Deutsche Bank weißt anscheinend einen Milliardenverlust nicht aus

Nun schaltet sich die Bundesbank ein. Und ein Team fliegt nacht New York. Warum New York? Hat die deutsche Bank nicht ihren Hauptsitz in Frankfurt am Main. Habe ich da was falsch verstanden. Milliardenverslust. Nicht aufregen. Irgendjemand anderes wird das Geld schon haben. Kein Grund zur Sorge. Oder doch. Darf dann der Steuerzahler wieder einspringen? Oder wird er dann zwangsenteignet? Wie wäre es dann wieder mit einer „Bad Bank“? Man könnte ja Aktien herausgeben und jeden Bürger dazu verpflichten, Aktien von dieser „Bad Bank“ zu kaufen. Gibt es eigentlich auch eine „Good Bank“?
Macht nur weiter so mit euerer Globalisierung und wohnt in euren „Gated Communities“.

Interessante Nachrichten gab es jedoch aus der Astrophysik

1. Man hat dunkle Materie gefunden

2. Ein schwarzes Loch scheint einen riesigen Planeten zu verschlingen.

Schwarzes Loch. Im Universum! Nicht zu finden in manchen Staatsaushalten oder Banken.

Schwarzes Loch. Im Universum!. Nicht zu finden in manchen Staatsaushalten oder Banken.

Schwarze Löcher gibt es ja nicht nur in der Astrophysik, sondern auch in den Haushaltskassen. Außerdem scheinen sich auch manche schwarze Löcher bei einigen Banken aufzutun. Man muss also nicht in ein Elektronenteleskop schauen, um schwarze Löcher in einer Entfernung von mehreren millionen Lichtjahren zu finden, sondern kann auch vielleicht nach New York fliegen. Vielleicht findet sich dort ebenfalls ein schwarzes Loch. Schwarze Löcher kann man recht gut in der Astrophysik erklären. Manche real existierenden schwarzen Löcher bei Banken und Staatshaushalten jedoch lassen sich nur schwer erklären. Oft können sich Beteiligte an nichts erinnern.

Eigentlich könnte ich noch weiterschreiben. Vielleicht ein ganzes Buch zu den heutigen Schlafzeilen, äh Schlafzeieln. Aber irgendwie ist die Luft raus. Der Wille ist stark, aber das Fleisch ist schwach.

Morgen gibt es wieder mehr Irrsinn und Wahnsinn aus der ganzen Welt.

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11. September 2001 in Kuala Lumpur

Wie ich den 11. September erlebte.

Ein Fernreise ist etwas wunderbares Und wenn man seine Liebste wiedersieht, ist es noch tausendmal schöner.

Der jährliche Urlaub war aufgespart worden, um einen ganzen Monat in Malaysia zu verbringen. Zum größten Teil in der Hauptstadt Kuala Lumpur.

Ein Schatten sollte sich jedoch auf diesen Besuch legen. Kein selbst verschuldeter Schatten, sondern eine Tragödie internationalen Ausmaßes, welche vielleicht als ein Höhepunkt der Auseinandersetzungen fundamentaler Auffassungen des Lebens und des Lebensstills darstellt. Das Ende dieser Auseinandersetzung ist noch lange nicht absehbar und wird meiner Ansicht nicht auf einem diplomatischen Weg hinauslaufen.

Es war kurz vor neun Uhr am Morgen, als das erste Flugzeug in einen der beiden Türme des World Trade Centers krachte. Der Zeitunterschied zu Kuala Lumpur beträgt vierzehn Stunden also schon finsterste Nacht. 23 Uhr. Schlafenszeit. Der nächste Tag sollte im Zentrum von Kuala Lumpur verbracht werden. Auf das Frühstücksfernsehen kann man gerne im Ausland verzichten. Die Neugierde auf das pulsierende Leben in einer asiatischen Millionenstadt überlagete den Drang, Nachrichten aus aller Welt zu hören und zu sehen.

Irgendwie verlief die tägliche Rushhour in Bus und Bahn an diesem 12. September weitaus ruhiger als die Tage vorher. In den USA war immer noch nicht das Kalenderblatt des 11. September abgerissen und hier in Malaysia war bereits der 12. Meine inneren Antennen waren damals noch nicht so fein justiert, wie sie es vielleicht heute sind. Ich nahm diese relative Ruhe nicht wahr. Die Vorfreude auf neue Entdeckungen, an das Beobachten des alltäglichen Lebens in Kuala Lumpur blockierte den analytischen Verstand.

Mittlerweile ging die Schreckensmeldung der Terroranschläge um die ganze Welt. Es war offensichtlich, dass es sich hierbei nicht um einen Flugzeugabsturz handelte, sondern um das bewusste Vernichten von menschlichen Leben. Der Hass und der Terror hatte die USA erreicht. Nicht mehr nur ihre Botschaften oder militärischen Einheiten, nicht mehr nur die amerikanischen Touristen waren das Ziel islamistischer Terroristen, sondern es ging nun an die Substanz auf us-amerikanischen Staatsgebiet.

Die Innenstadt Kuala Lumpurs, die ansonsten um die Mittagszeit von Menschenmassen aus allen Nähten platzt, war heute erstaunlich ausgedünnt. Noch immer wußte weder meine damalige Freundin noch ich, warum dem so war. Die Einkaufszentren und Geschäfte waren nicht menschenleer, aber die Besucher waren zahlenmäßig gegenüber den Verkäufern und Ladenbesitzern in der Unterzahl.

Für mich war es zu der damaligen Zeit eher als positiv bewertet worden. Weder überfüllte Einkaufszentren, noch Menschenmassen sind wünschenswerte Zustände. Erst als wir beide nach dem Mittagessen wieder auf die Straße traten, nahm ich an einem Elektronikfachgeschäft einige Malaien und Chinesen wahr, die in das überdimensionale Schaufenster starrten. Ruhe. Kein Wort. Unglaube auf den eingefrorenen Gesichtern. Die Fernseher im Schaufenster interessierten mich nicht. Eine kleine Gruppe jugendlicher Chinesen stand unentschlossen am Ende des Schaufensters. Einige wollten gehen, nicht überhastet, eher wie in Zeitlupe sich bewegend, andere gingen näher an das Schaufenster, um sich gleich wieder von ihm zu entfernen. Kein aufgeregtes Gegacker, wie man es von jungen Mädchen kennt, keine sich in Pose werfenden Jungs. Eine irgendwie unwirkliche Situation der Verwirrtheit, der Unschlüssigkeit, des Nicht-wahrhaben-wollens.

Der Straßenverkehr hielt sich auch in Grenzen, deswegen leisteten wir uns beide ein Taxi zu ihrem Apartment. Auf der Fahrt unterhielt sich der Taxifahrer mit meiner Freundin auf malaiisch. Ich verstand natürlich kein Wort. Die sofortige Übersetzung ins Englische lies mich jedoch nur ungläubig nachfragen, ob sie den Taxifahrer richtig verstanden habe. „Ja“, sagte sie,“ in den USA sind Verkehrsflugzeuge durch islamische Terroristen zum Absturz gebracht worden. In New York sind zwei Passagiermaschinen in die World Trade Center gesteuert worden.“ Man mag sich im nachhinein über den amerikanischen Präsidenten Georg W. Bush lustig machen, wie er in dem Video vor der Schulklasse sitzt und keinerlei Reaktion zeigt. Eher ein ungläubiges Insich-gekehrtsein, eine innere Ablehnung der Realität. Man mag von Bush halten was man will, aber in diesem Moment der Schreckensnachricht habe ich mich ähnlich verhalten. Meine Sorgen und Änsgte waren sicherlich anders gelagert als seine. Er hatte die Bürde einer Präsidentschaft, ich mußte mich nur in diesem Moment nur um meine Freundin und mich sorgen machen. Sie eine Muslima, wenn auch säkularisiert, keine strenggläubige die auch gern mal einen Wein trank und ich, ein christlicher Europäer. Eine Verbindung die zumindest in Kuala Lumpur toleriert wurde, aber nicht gern gesehen. Ca. 60 Prozent der malaiischen Bevölkerung sind Malaien und zum Großteil Moslems, dann noch ca. 27 % Chinesen und 8 Prozent Inder. Die Spannungen zwischen Malaien und Chinesen, die teilweise sehr blutig verliefen, sind nicht so lange her gewesen.

Und nun ich in einem islamischen Staat, der auch an seiner Nordgrenze zu Thailand mit Fundamentalisten und Terroristen zu kämpfen hat. Malaysia gilt als fremdenfreundlich, aber nicht in allen Regionen. Gedanken schossen mir durch den Kopf. Wie hoch ist meine Sicherheit hier. Das solche Terroranschläge auch Initialzünder für Progrome sein können, hat man ja im Geschichtsunterricht erfahren. Wir beide wollten schnellstmöglich nach Hause, um uns die Nachrichten in englischer Sprache anzusehen.

Es war wahr. Zwei Flugzeuge wurden in die beiden Türme des WTC gesteuert. Die Amateuraufnahmen zeigten die Einschläge immer und immer wieder. Neue Fernsehbilder überschlugen sich. Die Nachrichtensprecher kommentierten die Einstürze. Die Folgen wurden diskutiert.

Für mich war klar, dass es eine Reaktion der USA bedurfte. Das diese Reaktion nicht aus Erdbeertee trinken, zublinzeln und Diskussionsrunden bestehen würde, war offensichtlich. Wie würde diese Situation mich persönlich betreffen. In einem moslemischen Land, der Rückflug mit einer moslemischen Fluggesellschaft mit Zwischenstopp in einem weiteren islamischen Land. Würde es auch solche Zwischenfälle auf der Heimreise geben oder später in Deutschland. Es bedarf ja manchmal in der Geschichte nur eines kleinen Funken, um einen Flächenbrand zu entfachen. Wie würde ich meinen restlichen Urlaub verbringen.

Aus der Gegenwart betrachtet nur lächerliche Ängste. Nichts im Vergleich zu den Schicksalen der Menschen, die diesen 11. September nicht überlebt haben. Nichts im Vergleich mit der Trauer der Hinterbliebenen.

Menschen die in den Tod sprangen, weil sie nicht verbrennen wollten. Menschen, die auf Rettung hofften und diese Rettung sie nicht rechtzeitig erreichte. Die Feuerwehrleute, die Polizisten und Sanitäter, die ihr Leben opferten um das Leben anderer zu retten. Die Passagiere, die den sicheren Tod vor Augen, den Terroristen entgegentraten und die das eine Passagierflugzeug zum Absturz brachten.

Wird man still und denkt über diese einzelnen Situationen nach, kommt als erstes die Trauer, die Hilflosigkeit und dann erst die Wut. Die Wut auf Menschen, die sich durch ihre Handlung außerhalb jedes menschlichen Zusammenlebens gestellt haben. Hier fällt mir immer wieder ein, dass man ja eigentlich über Tote nichts schlechtes sagen sollte. Sie sind ja jetzt tot. Ich kann das nicht akzeptieren. Mörder sind Mörder. Auch nach ihrem Tod. Für die einen sind sie vielleicht Helden. Für mich sind sie Abschaum und Feiglinge.

Es wird langsam Zeit Farbe zu bekennen. Mag die eigene Angst auch noch so groß sein. Irgendwann muss man sich für die eine oder andere Seite entscheiden. Einen Mittelweg wird es nicht geben. Dem Terror muss man entgegentreten. Und sich nicht durch mögliche Konsequenzen einschüchtern lassen. Mit manchen Menschen kann man nicht verhandeln. Menschen, die sich außerhalb der menschlichen Gemeinschaft stellen, sollten auch dementsprechend behandelt werden.