Brasilien und seine Waffen

Brasilien und seine Waffen.

Ein amerikanisch/französisches Paar wurde in Rio de Janeiro letzte Woche ausgeraubt und die Frau wurde vergewaltigt. Der Fall ging durch die internationale Presse. Handfeuerwaffen waren nicht im Spiel. Es reicht ja auch eine Eisenstange aus. Die drei Täter wurden bereits festgenommen.

Das gestern ein Kleinbus mit 10 deutschen Touristen auf dem Weg zur Christus Statue angehalten wurde, von zwei Autos mit fünf bewaffneten Verbrechern abgedrängt, ging schon wieder weniger durch die internationale Presse. Es fand auch keine Vergewaltigung statt, sondern das Eigentum wie Handy, Kameras, Kreditkarten und Geld wechselte nur den Besitzer. Verletzt wurde niemand.

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Der Bürgermeister von Rio de Janeiro wird gewählt – 5000 Soldaten sollen die Wahl sichern

Heute, Samstag, den 6.Oktober 2012 sind bereits 3500 Soldaten im Einsatz gewesen. Von 08.00 Bis 18.00 Uhr um die Abschlußkundgebungen der Parteien und Kandidaten zu sichern.
Rio de Janeiro hat an die 12 Millionen Einwohner, wie viele es genau sind, weiß eigentlich niemand hier, den so etwas wie eine Volkszählung wurde diese Jahr nicht durchgeführt. Natürlich ist Rio für viele Brasilianer ein Anziehungspunkt. Hier liegen die Häuser der Superreichen neben den Armenvierteln, den sogenannten Favelas. Und hier begeben sich die Menschen hin, um etwas vom Kuchen ab zu bekommen.

Die Kriminalitätsrate dieser Stadt sucht ihresgleichen – weltweit.

Und nicht nur die Polizisten der Policia Civil und Policia Militar werden morgen im Einsatz sein. Eine Koordinationszentrale aus Polizei, Feuerwehr und Militär wurde in Rio ins Leben gerufen, um die Wahl des Bürgermeisters und der Stadtabgeordneten zu sichern.

Wenn es brenzlig wird und die Polizei es nicht mehr schafft, selbst nicht die Eliteeinheiten der Polizei, dann wird auf das Militär zurückgegriffen. Dies kann durch die Verhängung des Ausnahmezustandes erfolgen. So passiert bei den bürgerkriegsähnlichen Zuständen bei der Bekämpfung der Drogenkriminalität in Rio oder als die Polizei (Civil und Militar) kurz vor Beginn des Karnevals in Salvador de Bahia gestreikt hat. Gepanzerte Fahrzeuge werden am Wahltag auch sicherlich mit von der Partie sein.Kampfpanzer? Wer weiß es schon heute? Wo sich der brasilianische Flugzeugträger morgen aufhält, kann ich ihnen leider auch nicht mitteilen.

Die Wahl des Bürgermeisters ist also ein Ausnahmezustand. Seltsam. Bei uns gehen die Bürgermeisterwahlen doch sehr ruhig von statten. Aber noch haben wir ja keine Zustände wie in Brasilien, dass z.B. Kinder ihren Körper für 2 Kilo Fleisch an das nächstbeste Dreckschwein verkaufen.
Also hier ist es einfach etwas anders. Nicht nur in Rio wird der Bürgermeister morgen gewählt, sondern auch in tausend anderen Städten und Gemeinden des Landes. Und nicht überall wird auf das Militär zugegriffen, auch wenn es in manchen Orten sinnvoll wäre.

Und im Wahlkampf kamen wieder die üblichen kriminellen Aktivitäten auf. Bestechung, Stimmenkauf und unliebsame Gegner erschießt man halt einfach gleich. Geht ja auch schneller als mit ihnen zu diskutieren.

Hier herrscht Wahlpflicht. Wer nicht zur Wahl geht, der muss ca. 6 Reis (ca. 2,20 Teuro) bezahlen oder bekommt weitergehende Probleme. Aber für viele ist der Gang zur Urne teilweise auch nicht finanzierbar. Man müßte eventuell mehrere Busse nehmen, um zum Wahllokal zu kommen. Tja und wenn man zum Beispiel für Rio auf den Verkehr zurückkommt und daran denkt, dass ca. 8 bis 9 Millionen Wahlberechtigte in Rio dann unterwegs sind, dann Gute Nacht.

Ich freue mich schon auf die morgigen Bilder am Wahlsnntag im brasilianischen Fernsehen und erst am Montag, wenn man dann wieder zum Frühstück präsentiert bekommt, wer wen am Wochenende massakriert hat.

Und denken sie in diesem Zusammenhang auch an die Fußball-WM 2014 und die olympischen Spiele 2016 in Rio. Vielleicht könnte man die Bürgermeisterwahl in Rio 2016 mit der Olympiade zusammenlegen. Das spart Kosten für den Militäreinsatz.

Beinahe hätte ich es vergessen. Weiter 40000 Soldaten stehen in Bereitschaft. Nein nicht für Rio allein, sondern für ganz Brasilien. Oder doch allein für Rio. Ach mein Portugiesisch ist immer noch nicht perfekt.

In diesem Sinne wünsche ich allen Beteiligten eine ruhigen und gesegneten Wahlsonntag.

Ich werde dann berichten, was so aufregendes vorgefallen ist.