Der Confed CUP rückt in Brasilien in den Hintergrund

Der Confed CUP rückt in Brasilien in den Hintergrund.

In Brasilien rückt der Confed Cup 2013 für die meisten Brasilianer eher in den Hintergrund, obwohl die brasilianische Nationalmannschaft mit ihrem glücklichen 2:1 Sieg gegen Uruguay in das Finale einziehen darf. Auf zwei brasilianischen Fernsehsendern wurde das Spiel übertragen, auf zwei anderen Fernsehsendern die landesweiten Demonstrationen ausgestrahlt.

Die Großteil der Menschen erkennt, dass die derzeitigen Probleme in Brasilien dringender sind als das Abschneiden Brasiliens bei irgendeinem Fußballpokal. Und die Brasilianer sind Meister im Verdrängen von Problemen. Sowohl im privaten Bereich als auch im öffentlichen. Amanha. Morgen. Jaja, morgen so hoffen die Brasilianer werden sich ihre Probleme in Luft auflösen, aber das ist eben nicht der Fall.

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Der Confed CUP rückt in Brasilien in den Hintergrund.

Zitat der Woche – Armut

Armati nudum non privant quattuor unum.
Walther, Proverbia sententiaeque 1358

Einen nackten Mann können auch vier Bewaffnete nicht berauben.

Und das glauben Sie auch noch? Haben Sie eine Ahnung, was man mit einem nackten Mann alles anstellen kann.

Albrecht Dürer: Die vier apokalyptischen Reiter. 1498

Albrecht Dürer: Die vier apokalyptischen Reiter. 1498

Erklärt werden die vier apokalyptischen Reiter wie folgt:

1. Reiter
Verfolgung der Tyrannen. Bei Dürer mit Pfeil und Bogen dargestellt
2. Reiter
Blut und Tod durch Kriege. Langes Schwert. Steht für mächtige Kriegswaffen und Gewalt.
3. Reiter
Tod und Hunger. In der Hand eine Waage. Waage? Steht für Teuerung, Inflation und Hunger.
4. Reiter
Furcht, Krankheit, Niedergang und Tod.

Was Dürer verschwieg ist, dass die Pferde von der Firma Miet-o-Pferd für eine Woche angemietet worden waren. Wie unschwer zu erkennen ist, fällt das letzte Pferd durch seinen Ernährungszustand völlig aus dem Rahmen. Schuld war, weil die 4 apokalyptischen Reiter nur ein sehr geringes Budget eingeräumt bekamen.

Der vierte Reiter, eigentlich ein sehr genügsamer Zeitgenosse, der den Job von der Arbeitsagentur als 1-Euro-Job aufgebrummt bekam, war schon beim Friseur und beim Bekleidungsverleiher stinke sauer.
Seine Meinung:“Nicht mal fürs Haarewaschen und Rasieren hat das Geld gereicht. Ich bin sauer wie eine Zitrone. Auch bei den Faschingskostümen blieb wieder nur ein Bettlaken für mich übrig. Das ist das letzte Mal, dass ich die Apokalypse mitmache. Nächstes Mal können die drei anderen ihren Weltuntergang ohne mich veranstalten.“

Und nun kommen Sie ins Spiel.

Setzen Sie Ihren Favoriten als Apokalyptischen Reiter ein. Oder vielleicht auch ein Ereignis?
Wie es Euch gefällt.

Gib mir 20 Reais und meine Stimme gehört dir – Brasilianische Wahlen der Bürgermeister

Bestechung ist leider in Brasilien an der Tagesordnung. Korruption gibt es auf allen Ebenen. Je höher die gesellschaftliche Stellung der Person, je umfangreicher der Auftrag, der Vertrag ist, umso höher die Summen, welche bar über den Tisch wandern.

20 brasilianische Reais sind ungefähr 8 Euro. Und dafür erhalten die Kandidaten die Stimme der bestochenen Person. Ein Kleinflugzeug wurde abgefangen. Mit mehreren Millionen Reais in Papierscheinen. Verwendungszweck: Bestechungsgelder für Wählerstimmen.

Selbst Senatoren und Gouverneure sind durch Bestechung straffällig geworden. Die Antikorruptionseinheiten in Brasilien tun ihr möglichstes. Die Justiz sieht dies auch nicht mehr als Kavaliersdelikt an. Und wie sieht es bezüglich den „demokratischen“ Wahlen aus.

20 Reais und ich vergesse die Demokratie. Warum ist dies so. Hierzu fallen mir einige Gründe ein.

Jede Person mit brasilianischer Staatsbürgerschaft über 18 Jahre ist wahlberechtigt und auch wahlpfkichtig, sofern sie voll geschäftsfähig ist.

Aber ein Teil der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Für 20 Reais bekommen sie eine fünfköpfige Familie satt. Und bei sparsamen Einsatz des Geldes mit wenig Fleisch/Fisch sogar für drei Tage oder länger. Da sind 20 Reais viel Geld. Für ein Ehepaar 40 Reais und fast die ganze Woche ist gerettet.
Natürlich werden die Stimmen nicht bei den Reichen und Gutverdienern gekauft. Jeder Millionär würde nur darüber lächeln. Und die Parteien geben ja nicht 1000 R$ für eine Stimme aus. Dafür bekommen sie 50 in den Armenvierteln.

Und jede Stimme hat ja das gleiche Gewicht in einer Demokratie.

Es liegt also teilweise an der Armut.

Ein weiterer Grund ist das unterschiedliche Unrechtsbewußtsein bzw. die damit verbundene Frustration über das bestehende System und die eigene Lebenssituation. Zwar wurden die Mindestlöhne in den letzten vier Jahren um über 30 Prozent erhöht, dies zog jedoch in manchen Bereichen eine Verteuerung der Produkte/Dienstleistungen von über einhundert Prozent nach sich.
Die allgemeine Inflationsrate soll bei 5,2 Prozent liegen. Wer glaubt wird selig und kommt doch nicht in den Himmel. Selbst manche Grundnahrungsmittel sind um 20 bis 30 Prozent teurer geworden, je nachdem in welcher Gegend sie in Brasilien leben. Manche Produkte sind in Brasilien teuer als in Europa, den USA oder Asien. Obwohl die Grundprodukte eigentlich günstiger sind. Als Beispiel sei ein amerikanisches Hamburgerrestaurant genannt. Das einfach Menü kostet 20 Prozent mehr als in Deutschland und die Qualität ist eine Katastrophe. Einmal und nie wieder.

500 Jahre katholische Kirche haben dieses Unrechtsbewußtsein auch nicht in den Griff bekommen. Diese 40 Reais sind einfach verdientes Geld, und wer seine Kinder nicht satt bekommt, denkt darüber nicht viel nach. Verständlicherweise! Und in der breiten Bevölkerungsschicht, hört man die schlimmsten Beschimpfungen der Politiker. Viele stellen sich auch die Frage, warum der ehemalige Präsident Lula so oft in die Schweiz geflogen ist? Aber etwas Konkretes gibt es hierzu nicht. Natürlich sieht die Bevölkerung auch, dass nicht nur ehrbare, moralisch gefestigte Menschen an den Schalthebeln des politischen Systems sitzen. „Wenn die da oben betrügen, dann betrügen wir halt auch.“ Ein korrupter Politiker zieht das ganze System nach unten.

Als Politiker gewählt zu werden, zieht natürlich auch finanzielle Optionen nach sich. Betrachtet man sich die Nebeneinkünfte der Politiker in Deutschland, dann fragt man sich, warum diese Abgeordneten überhaupt Diäten und Pensionen erhalten. Und die aktuelle Diskussion über die Offenlegung der Nebeneinkünfte von Politikern ist eigentlich schon längst überfällig. Nach dem Grundsatz: Wenn ich nichts zu verstecken und ein reines Gewissen habe, dann kann ich doch die Einkünfte offenlegen. Das sich natürlich viele deutsche Politiker darüber zieren, ist ja auch verständlich. Aber auch hier gibt es unterschiedliche Auffassungen. Nehmen sie Brasilien unter Lupe, dann multiplizieren sich die „Nebeneinkünfte“ um ein Vielfaches. Natürlich nicht bei allen. Es gibt ja auch genügend anständige Politiker.

Dies zeigt das Dilemma des demokratischen Systems in 2. oder 3. Welt-Ländern an. Wie demokratisch ist die Demokratie dort. Das Verständnis über Demokratie hat anscheinend auch etwas mit dem sozialen Umfeld des Landes zu tun.

Deswegen sehe ich die jubelnden Politiker, die zu Bürgermeistern gewählt wurden, doch sehr kritisch. Ich kann nicht sagen, ob sie demokratisch gewählt worden sind oder ob sie durch Bestechung, Manipulation der Wahl oder Einschüchterung in ihr Amt gehievt wurden. Traurigerweise bleibt ein schaler Beigeschmack.