Meine Lieblingsanglizismen – Heute: Public Viewing

Public Viewing
Übersetzung: Öffentliches Fernsehen
Sinngemäß: Gemeinsame Verblödung

Eine Erfindung Anfang des 20. Jahrhunderts gegen die Unsitte des Public Viewing. Hier sollten vor allem junge Menschen vor der Verblödung durch die Medien geschützt werden. Leider hat sich diese Erfindung nicht durchsetzen können. Foto: LIFE copyright bei Time Inc.

Eine Erfindung Anfang des 20. Jahrhunderts gegen die Unsitte des Public Viewing. Hier sollten vor allem junge Menschen vor der Verblödung durch die Medien geschützt werden. Leider hat sich diese Erfindung nicht durchsetzen können. Foto: LIFE copyright bei Time Inc.

Irgendwie sind mir Massenveranstaltungen unter freiem Himmel meist sehr suspekt: Volksfeste, Rockfestivals, Stadtmarathon, Volksverhetzungen (äh politische Kundgebungen), Demonstrationen oder Weltkriege.

Alle haben eine gewisse Grundtendenz inne. Das WIR Gefühl soll gesteigert werden. Wir sind so toll, Wir können am meisten trinken, Wir haben recht, Wir spielen besser Fußball, Wir sind einfach gemeinsam stärker.
Das mag sicherlich mit Einschränkungen seine Berechtigung haben und mag noch aus einer Zeit herrühren, als man nur in einer Gemeinschaft gegen die überlegene Natur überleben konnte, heute scheint dieses Phänomen aber eher den negativen Einflüssen ausgeliefert zu sein. Demagogie und finanzielle Ausbeutung.
Es ist schon etwas tolles, gemeinsam auf eine Leinwand zu starren, um dort 22 angeblich erwachsene Männer zu beobachten, die ca. 90 Minuten hinter EINEM Ball herhecheln, um diesen in ein Tor zu treten. Die Folge ist dann auf diesem Public Viewing Platz ein unbeschreiblicher Jubel, wenn es die eigenen 11 „Helden“ geschafft haben und betretenes Schweigen, wenn die vermeintlich „bösen“ Gegner erfolgreich waren. Widlfremde Menschen liegen sich in den Armen, um endlich die eigenen Viren und Bakterien dem Gegenüber besser zu übertragen. Jeder und jede füllt eine gewisse Unbesiegbarkeit und Überlegenheit. Kein Problem mehr mit der nächsten Klausur, dem überzogenen Girokonto, der globalen Erwärmung, dem Waldsterben, dem Untergang des Abendlandes. Alle Probleme sind weit weg und nichtig.

Die wenigstens Menschen können sich durch den Gewinn einer Goldmedaille bei irgendwelchen Sportwettbewerben etwas kaufen. Auch nicht bei irgendwelchen Gewinnen von an sich materialtechnisch wertlosen Fußballpokalen. Beim Public Viewing darf man dazu gehören. Wir-Gefühl steigern. Aber in Wahrheit gehört man halt einfach nicht dazu, zum Kreis der Erlauchten, die sich an solchen Veranstaltungen eine goldene Nase verdienen. Man gehört nur diesbzüglich dazu, dass man irgendeinen Kitsch kauft oder solche Veranstaltungen durch die Teilnahme in einem Stadium finanziert.

Und außerdem kann man ja die Massen besser unter freien Himmel kontrollieren. Einfacher als in Gebäuden.

Nach dem Public Viewing werden die Massen sich wieder auflösen, um in ihre Singlehaushalte zurückzufluten, um schließlich festzustellen, dass das WIR-Gefühl in den eigenen vier Wänden ziemlich schnell verfliegt.

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